AGR-Ventil reinigen ohne Ausbau – was das Verfahren leistet und wo es aufhört
Die Frage, mit der die meisten hier ankommen, lautet nicht „was kostet das", sondern „geht das überhaupt ohne Demontage". Die ehrliche Antwort besteht aus zwei Teilen: In einem klar umrissenen Zustandsbereich ja, und außerhalb davon nein. Diese Seite zieht die Grenze, statt sie zu verwischen – erst danach hat eine Empfehlung überhaupt einen Wert.
Geht das wirklich ohne Ausbau?
Ein AGR-Ventil setzt sich nicht schlagartig zu, sondern über Jahre – und der Belag verändert dabei seine Beschaffenheit. Frische Ölkohle ist zäh und klebrig, ältere Schichten härten aus, und ganz alte Krusten sind mineralisch verbacken. Genau daran entscheidet sich, ob eine Behandlung im eingebauten Zustand trägt oder nicht.
Verfahren, die über den Ansaugtrakt arbeiten, greifen Belag über Temperatur und Strömung an. Sie erreichen alles, was der Ansaugweg erreicht – und das ist deutlich mehr als nur das Ventil. Was sie nicht erreichen, ist mechanische Kraft: Sie können nichts abschaben, nichts gangbar machen und nichts ersetzen. Daraus ergeben sich drei Zustandsbereiche.
Beginnende bis mittlere Verkokung
Das Ventil durchfährt den Regelbereich noch, wenn auch träge oder mit Abweichung. Fehlercodes treten sporadisch auf, Leistung und Verbrauch sind auffällig, aber nicht dramatisch. Hier ist die thermische Behandlung die substanzschonende erste Maßnahme – sie erhält das Originalteil und reinigt zugleich die Ansaugstrecke mit.
Starke, aber noch bewegliche Verkokung
Der Stellweg bleibt messbar hinter der Anforderung zurück, das Ventil bewegt sich aber. Eine Behandlung kann hier deutlich verbessern – oder eben nicht ausreichen. Wir machen das nicht zum Glücksspiel: Die Nachmessung entscheidet, und wenn sie den Sollwert nicht bestätigt, folgt der Ausbau als zweiter Schritt.
Klemmende Mechanik oder Defekt
Das Ventil erreicht die Sollposition gar nicht, der Stellmotor reagiert nicht oder die Positionsrückmeldung fehlt. Hinzu kommen ausgeschlagene Führungen, eingelaufene Ventilteller und verzogene Gehäuse. Diese Befunde sind mechanisch oder elektrisch – gegen sie richtet keine Reinigung etwas aus, unabhängig vom Verfahren.
Vier Wege zum sauberen AGR-Ventil im Vergleich
Die Wasserstoff-Behandlung ist eines von vier gängigen Vorgehen, nicht das einzig richtige. Welches trägt, hängt am Befund – nicht daran, was ein Betrieb im Angebot hat.
| Verfahren | Ausbau nötig | Was es löst | Wo die Grenze liegt | Trägt bei |
|---|---|---|---|---|
| Wasserstoff-Behandlung über den Ansaugtrakt | Nein | Weiche und mittelharte Ölkohle in AGR-Kanal, Ansaugbrücke und Einlassbereich – die gesamte Strecke | Harte, gewachsene Kruste; klemmende Mechanik; defekter Stellantrieb; keine Sichtprüfung möglich | Beginnender bis mittlerer Verkokung und als planbare Vorsorge |
| Chemische Reinigung im eingebauten Zustand | Nein | Löst Belag chemisch an, punktuell kräftig an erreichbaren Stellen | Wirkt nur, wohin das Mittel gelangt; gelöste Rückstände müssen über Abgasstrecke und Partikelfilter ausgetragen werden | Mittlerer Verkokung, häufig ergänzend statt allein |
| Ausbau und mechanische Reinigung | Ja | Vollständige Abtragung einschließlich Ventilsitz – und der Blick auf das Bauteil | Ersetzt keinen defekten Stellantrieb; Dichtungen, Adaption und Arbeitszeit kommen hinzu | Starker Verkokung und jedem unklaren Befund |
| Tausch gegen Neuteil | Ja | Neue Mechanik und neue Elektrik in einem Schritt | Behebt die Ursache der Verkokung nicht; die Ansaugbrücke bleibt zugesetzt, wenn sie nicht mitgereinigt wird | Mechanisch oder elektrisch defektem Ventil |
Unser Vorgehen: Erst messen, dann das Verfahren wählen. Wo die Behandlung ohne Ausbau trägt, ist sie der schonendere Weg. Wo sie es nicht tut, sagen wir das vorher – und nicht, nachdem sie bezahlt ist.
Woran Sie erkennen, welcher Fall bei Ihnen vorliegt
Die endgültige Zuordnung liefert die Stellwegmessung. Vorab lässt sich aus Symptomen und Fehlerbild aber schon ziemlich gut abschätzen, in welche Richtung es geht.
| Das beobachten Sie | Das bedeutet es wahrscheinlich | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|
| P0401 tritt sporadisch auf, Leistung wirkt normal, Fehler lässt sich löschen und bleibt eine Weile weg | Beginnender Belag, Mechanik frei | Behandlung ohne Ausbau – der klassische Fall |
| Fehler kehrt schnell zurück, spürbarer Leistungsverlust, sichtbarer Ruß beim Beschleunigen | Mittlere bis starke Verkokung, Ventil regelt noch | Behandlung mit verbindlicher Nachmessung |
| Fehler ist sofort nach dem Löschen wieder da, Motor geht in den Notlauf | Ventil erreicht die Sollposition nicht mehr | Ausbau – Reinigung ohne Demontage wäre hier Zeitverlust |
| P0489 oder P0490, keine Reaktion des Stellantriebs, keine Positionsrückmeldung | Elektrischer Defekt, kein Belagsproblem | Elektrische Prüfung, dann Tausch |
| Kühlmittel wird weniger, ohne dass etwas unter dem Fahrzeug steht; weißer, süßlich riechender Rauch | AGR-Kühler innen undicht | Kühler prüfen lassen – hier ist Reinigung das falsche Thema |
| Nach zwölf bis achtzehn Monaten dasselbe Fehlerbild wie vor der letzten Reinigung | Die Ursache wurde nie behoben | Kurbelgehäuseentlüftung, Blow-by und Fahrprofil prüfen |
Der Punkt, an dem die meisten Reinigungen scheitern
Nicht an der Reinigungswirkung. Sondern daran, dass niemand gefragt hat, warum sich der Kanal überhaupt zugesetzt hat. Ölkohle entsteht aus zwei Zutaten, die einzeln harmlos sind: Ruß aus dem zurückgeführten Abgas und Ölnebel aus der Kurbelgehäuseentlüftung. Erst zusammen ergeben sie die zähe Masse, die an den kühleren Wänden kondensiert und mit der Zeit aushärtet. Der Ruß ist bauartbedingt und nicht abstellbar. Der Ölanteil dagegen ist ein Zustandswert – und genau der macht den Unterschied zwischen einem Motor, der nach 200.000 Kilometern noch akzeptabel dasteht, und einem, der alle achtzehn Monate zurückkommt.
Deshalb gehört zu jeder Behandlung bei uns die Frage nach der Quelle. Vier Verdächtige stehen dabei ganz oben:
Kurbelgehäuseentlüftung am Ende
Ein gesättigter Ölabscheider oder eine gerissene Membran schiebt deutlich mehr Ölnebel in die Ansaugluft als vorgesehen. Das ist die häufigste Einzelursache für eine Verkokung, die auffällig schnell wiederkommt – und zugleich die am seltensten geprüfte.
Erhöhter Blow-by
Verschlissene Kolbenringe lassen mehr Verbrennungsgase ins Kurbelgehäuse durch. Die Entlüftung arbeitet dann dauerhaft am Limit, auch wenn sie selbst intakt ist. Das ist ein Motorzustand, kein Bauteilfehler – und er verschiebt die Erwartung an jede Reinigung nach unten.
Fahrprofil ohne Temperatur
Überwiegend Kurzstrecke bedeutet: selten Betriebstemperatur, hohe Rückführungsrate im unteren Lastbereich, keine thermische Selbstreinigung. Wenn sich daran nichts ändern lässt, ist die ehrliche Konsequenz ein geplantes Intervall statt eines Notfalls.
Einspritzdüsen mit schlechtem Strahlbild
Ein zerfallendes Spraybild erzeugt mehr Ruß bei gleicher Einspritzmenge. Der Mehr-Ruß landet zwangsläufig auch im rückgeführten Abgas. Auffällig wird das meist über Verbrauch und Rußfahne, bevor ein Fehlercode kommt.
Keiner dieser vier Punkte spricht gegen eine Reinigung. Sie verändern nur, was Sie davon erwarten dürfen – und darüber sollte gesprochen werden, bevor die Behandlung läuft, nicht wenn der Fehler wiederkommt. Wo die Wasserstoff-Behandlung generell an ihre Grenze stößt und welche Befunde sie gar nicht erst lösen kann, steht gesammelt auf Was die Wasserstoff-Reinigung leisten kann – und was nicht.
Was ein verkoktes AGR-Ventil im Betrieb anrichtet
Leistungsverlust
Ein verkoktes AGR-Ventil, das in geöffneter Position klemmt, führt zu übermäßiger Abgasrückführung. Der Sauerstoffanteil im Ansaugtrakt sinkt, die Verbrennung verschlechtert sich – spürbarer Leistungsabfall, besonders bei Beschleunigung.
Erhöhte Emissionen
Die Emissionen steigen in beide Richtungen: zu viel Rückführung bedeutet mehr Ruß und höhere HC-Werte, zu wenig mehr Stickoxide. Beides zeigt sich bei der Abgasuntersuchung.
Motorkontrollleuchte
Gespeichert werden P0401 (Durchfluss unzureichend), P0402 (übermäßig) oder P0403 (Regelabweichung). Die Leuchte bleibt an – ein Hinweis, den Sie ernst nehmen sollten, weil die Folgekosten am Partikelfilter mitlaufen.
Ruckeln und Laufunruhe
Ungleichmäßige Abgasrückführung verursacht Schwankungen im Verbrennungsprozess. Das Ergebnis: Ruckeln bei niedrigen Drehzahlen, unrunder Leerlauf, Zögern beim Gasgeben.
Notlauf-Modus
Im fortgeschrittenen Stadium schaltet die Motorsteuerung in den Notlauf: reduzierte Leistung, begrenzte Drehzahl, erhöhter Verbrauch. Weiterfahren ist möglich, aber nur bis zur Werkstatt.
Partikelfilter setzt sich zu
Ein offen hängendes Ventil verschiebt die Verbrennung Richtung Sauerstoffmangel, der Motor rußt mehr – und dieser Ruß landet im Partikelfilter. Auffällig kurze Abstände zwischen den Regenerationen sind deshalb oft ein AGR-Befund, kein Filterbefund.
So läuft die Behandlung bei uns ab
Einschätzung aus der Werkstatt
„Die Wasserstoff-Behandlung am AGR ist eine gute Maßnahme in einem klar umrissenen Zustandsbereich – und sie ist die falsche Maßnahme außerhalb davon. Wir messen deshalb erst den Stellweg und entscheiden danach. Ein Kunde, dem ich eine Reinigung verkaufe, obwohl das Ventil mechanisch klemmt, kommt in vier Wochen zu Recht verärgert zurück. Der ehrliche Befund vorher ist mir mehr wert als der zusätzliche Auftrag."
Fachtiefe zum Weiterlesen
H2-Motorreinigung: Die Grenzen des Verfahrens
Der vollständige Fachartikel dazu, was die Behandlung nicht leisten kann
→AGR-Ventil reinigen: Anleitung und Kosten
Ablauf mit und ohne Ausbau, Kostenrahmen, betroffene Motoren
→P0401: AGR-Durchfluss zu gering
Was der Code bedeutet und wie er sich je Hersteller unterscheidet
→Fehlercode P0490: AGR-Steller im Stromkreis
Der elektrische Fall – hier hilft keine Reinigung
→AGR-Kühler defekt: Symptome und Folgeschäden
Kühlmittelverlust ohne Pfütze richtig einordnen
→Kurbelgehäuseentlüftung EA888: PCV-Membran defekt
Die häufigste Ursache für schnell wiederkehrende Verkokung
→Kurzstreckenfahrer: Ablagerungen verhindern
Warum das Fahrprofil über das Reinigungsintervall entscheidet
→Ölkohle im Motor: Entstehung und Symptome
Wie aus Ruß und Ölnebel eine harte Schicht wird
→P0401 bei VW und Audi: reinigen oder tauschen
EA189, EA288 und die typischen Befunde der Baureihen
→AGR-Ventil Mercedes-Diesel: Reinigung oder Tausch
OM651 und Verwandte in der XENTRY-Diagnose
→AGR-Reinigung Mercedes C220 CDI W204: Fallstudie
Ein dokumentierter Fall mit Messwerten vor und nach der Behandlung
→AGR-Ventil: Werkstatt-Diagnose und Reinigung
Das gesamte Thema aus Sicht der Werkstattpraxis
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H2-Reinigung für Diesel
AGR, DPF und Einspritzdüsen im Zusammenhang
→DPF reinigen mit H2
Partikelfilter unterstützen – und die Grenzen dabei
→H2, Chemie oder Walnut
Die Reinigungsverfahren im direkten Vergleich
→AU-Vorbereitung
Abgaswerte vor der Hauptuntersuchung einordnen
→Das H2-Verfahren erklärt
Wie HHO-Gas im Motor wirkt
→Grenzen des Verfahrens
Was die Behandlung nicht leisten kann – vor der Entscheidung gelesen
→Gemessene Ergebnisse
Vor- und Nachwerte aus dokumentierten Behandlungen
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XENTRY
Offizieller Mercedes-Benz Diagnosezugang
-
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Offizieller VW/Audi/Skoda/Seat Diagnosezugang
-
ISTA
Offizieller BMW/Mini Diagnosezugang
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Meisterbetrieb
Staatlich geprüfter KFZ-Meisterbetrieb
-
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Hochvolt-Expertise für Elektrofahrzeuge
Häufige Fragen zur AGR-Reinigung ohne Ausbau
Kann man ein AGR-Ventil wirklich ohne Ausbau reinigen?
Teilweise ja, und die Einschränkung ist wichtig. Verfahren, die über den Ansaugtrakt arbeiten – dazu gehört die Wasserstoff-Reinigung – lösen weiche und mittelharte Ölkohle im AGR-Kanal, in der Ansaugbrücke und am Einlassbereich. Solange die Mechanik des Ventils noch frei beweglich ist und der Stellmotor die vorgegebene Position erreicht, ist das die substanzschonende Maßnahme. Was ohne Ausbau NICHT gelingt: eine über Jahre gewachsene, steinharte Kruste vollständig abtragen, ein mechanisch klemmendes Ventil wieder gangbar machen oder einen elektrisch defekten Stellantrieb reparieren. Wer diese drei Fälle hat, braucht den Ausbau – und jeder Betrieb, der Ihnen dafür eine Reinigung ohne Demontage in Aussicht stellt, verkauft Ihnen eine Behandlung, deren Ergebnis er nicht halten kann.
Woran erkenne ich, ob mein Fall noch ohne Ausbau lösbar ist?
Am Stellweg, nicht am Fehlercode. Wir lesen per Herstellerdiagnose die Live-Daten aus und vergleichen die Soll-Position, die das Steuergerät anfordert, mit der Ist-Position, die das Ventil zurückmeldet. Erreicht das Ventil den vollen Regelbereich, nur träge oder mit Abweichung, ist Belag die wahrscheinliche Ursache und eine Reinigung ohne Ausbau sinnvoll. Bleibt die Ist-Position deutlich hinter der Anforderung zurück oder rührt sich gar nicht, sitzt entweder eine harte Kruste oder die Mechanik klemmt – dann führt kein Weg an der Demontage vorbei. Diese Messung machen wir vor jeder Behandlung, nicht danach.
Was leistet die Wasserstoff-Reinigung am AGR konkret?
Sie führt HHO-Gas über den Ansaugtrakt zu. Das Gas verbrennt und hebt die Temperatur genau dort an, wo die Ablagerungen sitzen – im AGR-Kanal, in der Ansaugbrücke und an den Einlassventilen. Ölkohle, die durch Wärme aufgebrochen wird, verbrennt mit und geht als CO2 über den Auspuff ab. Die Behandlung reinigt damit nicht nur das Ventil selbst, sondern die gesamte Strecke, über die das rückgeführte Abgas läuft. Genau das kann ein Ventiltausch nicht: Ein neues Ventil sitzt anschließend in einer weiterhin zugesetzten Ansaugbrücke.
Was leistet die Wasserstoff-Reinigung ausdrücklich nicht?
Vier Dinge. Erstens ersetzt sie keine mechanische Reinigung bei harter, gewachsener Kruste – Belag, der jahrelang aufgebaut wurde, lässt sich thermisch nicht restlos lösen. Zweitens repariert sie nichts Defektes: ein ausgeschlagener Ventilsitz, ein verzogenes Gehäuse oder ein toter Stellmotor bleiben nach der Behandlung genau das, was sie vorher waren. Drittens ersetzt sie nicht den Blick auf das Bauteil – manche Befunde sieht man erst im ausgebauten Zustand. Und viertens behebt sie die Ursache der Verkokung nicht. Das ist der Punkt, an dem die meisten Reinigungen scheitern, nicht an der Reinigungswirkung.
Warum hält eine Reinigung ohne Ursachenklärung nicht?
Weil sie die Ablagerung entfernt, aber nicht deren Quelle. Ölkohle entsteht, wenn Ruß aus dem rückgeführten Abgas auf Ölnebel aus der Kurbelgehäuseentlüftung trifft. Ist der Ölabscheider gesättigt, die Membran gerissen oder der Blow-by durch Verschleiß an den Kolbenringen erhöht, gelangt dauerhaft zu viel Öl in die Ansaugluft – und der gereinigte Kanal setzt sich im selben Tempo wieder zu wie beim ersten Mal. Wer nach zwölf bis achtzehn Monaten wieder dasselbe Bild hat, hat kein Reinigungsproblem, sondern ein ungelöstes Ursachenproblem. Wir prüfen die Kurbelgehäuseentlüftung deshalb im selben Termin mit.
Welche Rolle spielt mein Fahrprofil?
Eine sehr große. Ein Motor, der überwiegend Kurzstrecke läuft, erreicht selten die Temperatur, bei der sich der Ansaugtrakt thermisch selbst freihält. Gleichzeitig ist die Rückführungsrate im unteren Lastbereich am höchsten. Beides zusammen ist die klassische Verkokungskarriere. Wenn sich am Fahrprofil nichts ändern lässt – und bei vielen Fahrzeugen lässt es sich nicht –, ist die ehrliche Konsequenz nicht der Verzicht auf die Reinigung, sondern ein geplantes Intervall statt eines Notfalls: eine Behandlung, bevor der Fehlercode kommt, nicht danach.
Chemische Reinigung oder Wasserstoff – was ist besser?
Die beiden Verfahren lösen unterschiedliche Belagsarten und schließen einander nicht aus. Chemische Mittel greifen den Belag an der Stelle an, an die sie gelangen; sie wirken punktuell stark, hinterlassen aber gelöste Rückstände, die anschließend über Abgasstrecke, Katalysator und Partikelfilter ausgetragen werden müssen. Die Wasserstoff-Behandlung wirkt thermisch über die gesamte Strecke des Ansaugtrakts und trägt gleichmäßiger ab, dafür weniger aggressiv an einzelnen harten Stellen. Bei mittlerer Verkokung setzen wir in der Regel auf die thermische Behandlung, weil sie die komplette Strecke erfasst statt nur das Ventil.
Ab wann ist ein AGR-Ventil verkokt?
Erste Anzeichen zeigen sich bei Dieselmotoren häufig ab 80.000 bis 120.000 Kilometern, bei ausgeprägtem Kurzstreckenbetrieb deutlich früher. Ein gewisser Belag ist dabei bauartbedingt und kein Defekt – das System führt rußhaltiges Gas, das hinterlässt Spuren. Zum Problem wird es erst, wenn die Schicht so stark ist, dass das Ventil den vorgegebenen Regelbereich nicht mehr durchfährt. Klare Indikatoren sind die Fehlercodes P0401, P0402 und P0403, Leistungsverlust, Ruckeln bei niedriger Drehzahl und auffällige Abgaswerte. Den Befund liefert die Stellwegmessung, nicht der Kilometerstand.
Was kostet eine AGR-Behandlung mit Wasserstoff?
Den Preis nennen wir nach der Vordiagnose, weil Motor, Zugänglichkeit und Umfang stark auseinandergehen. Als Orientierung für die Größenordnungen unserer eigenen Arbeit: Die Wasserstoff-Behandlung samt Vor- und Nachmessung bewegt sich im dreistelligen Bereich; die Reinigung eines ausgebauten Ventils einschließlich Ansaugbereich liegt üblicherweise bei 250 bis 500 Euro netto; ein neues Ventil in Erstausrüsterqualität mit Einbau und Anlernen meist zwischen 600 und 1.200 Euro netto. Was den Aufwand treibt, ist fast immer die Einbaulage: Bei manchen Motoren sitzt das Ventil obenauf, bei anderen muss die halbe Ansaugseite herunter.
Wie lange dauert die Behandlung und ist das Fahrzeug danach fahrbereit?
Die reine Wasserstoff-Behandlung dauert 60 bis 90 Minuten. Mit Vordiagnose, Probefahrt unter Last und Nachmessung planen wir etwa zweieinhalb bis drei Stunden ein. Das Fahrzeug ist am selben Tag wieder einsatzbereit. Die Probefahrt ist dabei kein Beiwerk: Gelöste Rückstände werden erst unter mittlerer Motorlast zuverlässig ausgetragen, und der AGR-Regelkreis zeigt sein Verhalten erst unter realer Last.
Muss das Ventil nach der Behandlung angelernt werden?
Nach einer Reinigung im eingebauten Zustand ist eine Grundeinstellung häufig sinnvoll, nach Ausbau oder Tausch praktisch immer erforderlich. Das Steuergerät hat sich über die Betriebszeit Endanschläge und einen Nullpunkt angelernt, die nach der Behandlung nicht mehr passen. Ohne Adaption regelt die Software gegen eine falsche Referenz – das zeigt sich als Regelabweichung, unrunder Lauf oder als Fehlercode, der kurz nach dem Löschen zurückkehrt. Die Adaption läuft bei uns über die Herstellerdiagnose des jeweiligen Fabrikats.
Was passiert, wenn die Behandlung nichts bringt?
Dann sagen wir Ihnen das mit dem Messprotokoll in der Hand. Wir dokumentieren Stellweg und Abgaswerte vor und nach der Behandlung. Zeigt die Nachmessung keine Verbesserung, ist der Befund eindeutig: Der Belag war härter als thermisch lösbar, oder das Problem war nie der Belag. Dann empfehlen wir Ausbau oder Tausch – und zwar begründet, nicht als Verlegenheitslösung. Eine Behandlung, die nicht greift, ist für uns kein Betriebsunfall, sondern ein Diagnoseergebnis.
Ist die Behandlung auch für Benziner sinnvoll?
Für Benzin-Direkteinspritzer ja. TSI-, TFSI- und CGI-Motoren führen ebenfalls Abgas zurück und haben zusätzlich das Problem, dass ihre Einlassventile nicht mit Kraftstoff umspült werden – Ölkohle bleibt dort ungehindert haften. Die thermische Behandlung erfasst genau diese Strecke. Bei sehr starken, harten Ablagerungen an Einlassventilen ist allerdings ein mechanisches Verfahren mit Ausbau der Ansaugbrücke das gründlichere, wenn auch deutlich aufwendigere Vorgehen. Saugmotoren ohne Abgasrückführung profitieren vor allem von der Brennraumreinigung.
Ist das Stilllegen der Abgasrückführung eine Alternative?
Nein, und zwar unabhängig davon, wie stark das Ventil zugesetzt ist. Die Abgasrückführung ist Bestandteil der Typgenehmigung. Wird sie mechanisch blockiert oder in der Software ausgeblendet, erlischt die Betriebserlaubnis: Der Versicherungsschutz aus der Vollkasko entfällt, bei der Hauptuntersuchung entsteht ein erheblicher Mangel, und beim Weiterverkauf liegt ein Sachmangel vor. Technisch kommt hinzu, dass die Verbrennungsspitzentemperatur ohne Rückführung steigt und Ventile, Kolbenböden und die gesamte Abgasseite zusätzlich belastet. Wir führen solche Eingriffe ausschließlich an Motorsportfahrzeugen ohne Straßenzulassung aus.
AGR-Befund anfragen
Fahrzeugmodell, Kilometerstand, Fehlercode und Symptome nennen – wir sagen Ihnen, ob eine Behandlung ohne Ausbau in Ihrem Fall trägt oder ob der Ausbau der ehrlichere Weg ist.
Bestandskunden erreichen uns telefonisch: 05505 5236